Freitag, 23. August 2013

Ein Vorstellungsgespräch

Nachdem ich vor kurzem meine Schulung in Köln mit Erfolg - was immer das heißen mag - abgeschlossen habe, ist in den letzten drei Wochen wieder verstärkt der Blick auf den Stellenmarkt angesagt. Immerhin hab ich schon wieder knapp 30 Bewerbungen rausgeschickt.

Die üblichen Absagen ließen natürlich nicht lange auf sich warten - aber hin und wieder zeigt dann doch jemand Interesse an meiner Person und ich durfte mich in den letzten zwei Wochen auch tatsächlich bereits dreimal bei potentiellen Arbeitgebern vorstellen.

So auch heute morgen in Köln.

Nachdem ich in den letzten beiden Fällen mit positiver Verwunderung feststellen konnte, dass mittlerweile sogar die von mir überhaupt nicht geliebten Zeitarbeitsfirmen bereit zu sein scheinen, für meine Arbeitsleistung eine angemessene Entlohnung zu leisten, ging ich dann heute auch nicht mit der sonst üblichen Haßkappe bewaffnet zu meinem Termin.

Der Hammer kam dann allerdings in Person des Mannes, der mir als Ansprechpartner für meine vorliegende Bewerbung genannt wurde - Herr Müller.

Ein kurzer Händedruck, die Einladung in sein Büro und bitteschön Platz zu nehmen - das Übliche halt.
"Sie haben sich bei uns auf welche Stelle beworben?"
Meine gute Laune war schlagartig auf dem Nullpunkt.

Das gab es doch nicht!

Ich werde aufgrund einer Bewerbung zu einem Gespräch eingeladen und mein Gesprächspartner hat keine Ahnung, was ich von ihm will...

"Als Fachkraft für Lagerlogistik - das sollte Ihnen aber eigentlich vorliegen..." Ich blieb erstmal höflich, wer weiß, wozu es gut ist.
"Ich habe keine Unterlagen - oder sehen Sie vor mir welche?"

"Ich bin schon verwirrt", entgegnete ich - immer noch etwas höflich. "Man hat mich heute eingeladen und da meine Bewerbung samt Unterlagen bei Ihnen im Haus vorliegen, bin ich davon ausgegangen, dass Sie sich auf unser Treffen vorbereitet hätten. Die Höflichkeit gebietet so etwas normalerweise und an Ihrer Stelle hätte ICH dies selbstredend so gehandhabt."

Herr Müller warf mir einen Blick zu, der unterdrückte Wut andeutete und erhob sich unwillig von seinem Platz um im PC meine Bewerbung aufzurufen und dann seine Mitarbeiterin zu bitten, ihm die Ausdrucke zu bringen.

Na bitte, dachte ich noch im Stillen. Geht doch.

Die Unterlagen - allerdings lediglich mein Lebenslauf, nicht jedoch ebenfalls vorliegende Zeugnisse oder Zertifikate - wurden Herrn Müller gereicht und er ließ sich dazu herab, mal eben über die zwei DIN-A-4-Seiten zu blicken.

Seine erste Frage bezog sich auf eine Stelle, die 20 Jahre zurücklag und nichts mit der aktuellen Bewerbung zu tun hatte - aber ich bin ja höflich und gab ihm - allerdings schon mit einem gewissen Unwillen - die gewünschte Auskunft.

Ein paar belanglose Sätze wechselten hin und her. Als er feststellte, dass ich im November noch meine IHK-Prüfung ablegen muss, murmelte er irgendwas von "Fachkräfte für Lagerlogistik werden heutzutage zuhauf ausgebildet", was in mir den Gedanken reifen ließ, meine Qualifikation wäre in seinen Augen offensichtlich mit einem Clownspatent gleichzusetzen.

Aber ich bin ja geduldig und irgendwann näherte sich das Gespräch dann tatsächlich mal dem Kern der Sache, meinen letzten Tätigkeiten als leitender Mitarbeiter und im Lagerwesen. Natürlich kam die Rede auch auf meinen Abgang beim letzten Arbeitgeber.

Immer noch geduldig erklärte ich Herrn Müller, dass wir im Streit auseinander gingen und sich die ganze Geschichte über gut zehn Monate hinzog, da ich gegen die erste Kündigung erfolgreich klagte und auch den zweiten Anlauf der Firma vor Gericht zu meinen Gunsten abschmettern konnte, dann aber selbstverständlich nicht mehr auf Wiedereinstellung bestanden habe.

"Wieso klagen Sie denn auf Wiedereinstellung?"

So langsam platzte mir der Kragen...

"Das ist der normale Weg bei einer Kündigungsschutzklage", erklärte ich Herrn Müller in einem Ton, den ich normalerweise bei meiner Tochter verwendet hätte, wenn sie etwas absolut nicht verstehen will. "Man klagt gegen die Rechtmäßigkeit der Kündigung mit dem Ziel, diese außer Kraft zu setzen. Das ist zwangsläufig gleichzusetzen  mit einer Wiedereinstellung oder Weiterbeschäftigung. Manchmal kann aber auch vor Gericht festgestellt werden, dass eine Weiterbeschäftigung keiner der beiden Parteien hilft. Dann einigt man sich auf eine Abfindung..."

"Danke für Ihre Belehrung." Jetzt war Herr Müller sichtlich angefressen und ich grinste heimlich und genüsslich in mich hinein.
"Sie haben mich gefragt und ich beantworte gerne jede Frage zur allgemeinen Zufriedenheit. Das nennt man auch Höflichkeit..."

Der Blick des Herrn Müller offenbarte nunmehr schon eine gewisse Mordlust.

"Ja aber warum haben Sie denn nicht eine Abfindung genommen?"
"Sehen Sie", ich war ja immer noch bemüht, die Mindestanforderungen der Höflichkeit zu wahren, aber der Typ ging mir langsam aber sich auf den Sender.
"Ich hätte dann kurzfristig zwar eine fünfstellige Summe in der Tasche gehabt - aber immer noch keine Arbeit, um meine Familie zu ernähren. Geld ist schön und gut aber in dem Falle leider auch nicht von besonderer Bedeutung."

"Ja aber, sie wären dann schon etwas jünger gewesen..."

JETZT platzte mit der Kragen.

Ich blickte seine Mitarbeiterin an, zwinkerte ihr kurz zu und legte mindestens ein Kilo Hohn und Spott auf jedes einzelne Wort meiner Antwort.
"Das hab ich ja noch gar nicht bedacht. Ich hätte Geld in der Tasche gehabt und wäre 10 Monate jünger gewesen. DAS hätten potentielle Arbeitgeber GANZ SICHER ganz anders goutiert..."

Hätte Herr Müller einen Hut getragen, wäre der jetzt mindestens fünf Zentimeter über seinen Haarspitzen geschwebt.

"Herr Wolf, noch bleibe ich ruhig", sagte er und ich konnte ihm deutlich ansehen, dass er mir am liebsten den Hals umdrehen wollte. "Aber ich kann dieses Gespräch auch abbrechen..."

"Nein, das brauchen Sie nicht", fiel ich ihm ins Wort und stand auf. "Das mache ich nämlich jetzt, denn weder ihre mangelhafte Vorbereitung auf unser Gespräch noch Ihre Art der Fragestellung finden meinen Gefallen."

Ohne einen Gruß verließ ich das Büro.

Der namenlosen Mitarbeiterin und besagtem Herrn Müller fielen die Unterkiefer auf die Brust - das war zumindest das Letzte, was ich von denen noch wahrnahm, bevor ich das Gebäude verließ.

Ich muss meine ohnehin nicht mehr übermäßig vorhandene Restlebenszeit ganz sicher nicht mit jedem Idioten vergeuden...

Es gibt auch andere Arbeitgeber...

Mittwoch, 21. August 2013

Es reicht!

Griechenland schafft es ab 2015 trotz mittlerweile geschätzter 215 Milliarden Euro, die von der Weltgemeinschaft in das marode Land gepumpt wurden, nicht, sich vom Tropf anderer Länder zu lösen. Damit können wir mal wieder davon ausgehen, dass unter anderem auch der deutsche Steuerzahler weiterhin für Jahrzehnte lange Schlamperei der griechischen Verantwortlichen einzuspringen hat.

Wunderschön zu sehen, wie der Dank für die Bemühungen auch der Deutschen, langsam aber sicher die alten Feindbilder gegen uns wiederbelebt werden. In Griechenland wird über unsere Politiker gehetzt, als hätten die Nazis wieder die Hand nach der Weltherrschaft ausgestreckt. 
Wenn aber einer das Recht hat, sich über Merkel und Co zu beschweren, dann sind wir das - sonst keiner. Die anderen dürften schon ein klein wenig Dankbarkeit darüber zeigen, dass der böse Nachbar Deutschland nicht auf sie scheißt, sondern ihnen aus der selbstverschuldeten Kacke zu helfen versucht.

Klar, ein bisschen verstehe ich die Griechen schon, dass sie sie mehr als sauer sind. Schließlich trifft es dort wie überall auf der Welt ja wieder den kleinen Mann, den, der sich jahrelange krumm gebuckelt hat. Diejenigen, die ihre Schäfchen längst ins Trockene gebracht haben und sich auf fetten Yachten im Ausland ins Fäustchen lachen und mit einem Seitenblick eben auf ihre - ebenfalls ausländischen - Konten gucken, ob das beiseite geschaffte Geld sich auch kräftig vermehrt, sind ja in den seltensten Fällen zu belangen.

Dennoch: es geht nicht an, dass wir wieder für andere in die Bresche springen und deren Karren aus dem Dreck ziehen!

In unserem Land ist selbst einiges im Argen und langsam aber sicher wird es wieder Zeit, dass wir uns um unsere eigenen Belange kümmern. Ich will nicht herzlos oder gar zynisch erscheinen - aber es wird wirklich wieder Zeit, dass uns selbst die eigene Jacke näher ist als die Hose der anderen.

Und bevor sich jetzt irgendwelches braunes Gesocks die Hände reibt und glaubt, endlich einen neuen Befürworter für ihre gequirlte Scheiße gefunden zu haben...

NEIN!!!! 

Ich will keinen Rückfall in nationalistisches Gedankengut, kein Ausländer-raus-Geschrei anstimmen, sondern nur mal endlich den Finger auf eine offene Wunde legen, die uns allen den wirtschaftlichen Garaus macht, wenn man da nicht endlich und konsequent gegen angeht.

Ich war und bin dank meiner kosmopolitischen Weltanschauung ein Verfechter der Idee eines geeinten Europas, ja sogar für eine weltweite Verbrüderung bin ich jederzeit zu haben. 

Nur sollte alles in einem realistischen Rahmen stattfinden.

Es kann ganz bestimmt nicht angehen, dass die Europäische Union immer mehr neue Mitglieder aufnimmt, obwohl - wie auch am 1. Juli des Jahres im Falle Sloweniens - schon zu Beginn abzusehen ist, dass das alles nicht ohne milliardenschwere Subventionierungen in von vorneweg marode Wirtschaftssysteme abgehen wird.

Oder andere Mitgliedsstaaten - hier ganz besonders Großbritannien - beteiligen sich an fast gar nichts, stellen sich bei allem, was anderen Nutzen bringen könnte quer und halten die Hände am Weitesten auf, wenn es darum geht möglichst mehr als die eingezahlten Beiträge wieder aus dem gemeinsamen Pott abzuschöpfen.

Als uns vor einigen Wochen große Flächen und ganze Ortschaften abgesoffen sind, wurde von unseren europäischen Nachbarn auf Nachfrage finanzielle Hilfe zum Wiederaufbau für die Betroffenen verweigert. 
Ich könnte mir schon vorstellen, dass einige sich sogar gewünscht haben werden, dass noch viel mehr unseres Landes untergehen müsse und die Überlebenden sollte dann gefälligst der Blitz kollektiv beim Scheißen treffen...

Auf solche Mitglieder kann jeder Verein dankend verzichten und so sollte auch die EU verfahren.

Es geht nicht an, dass wir immer tiefer in einen Schuldensumpf gezogen werden, den andere verursacht haben. Und die Weigerung dringendst notwendige und auch harte Maßnahmen zur Sanierung zu ergreifen, macht die ganze Geschichte ganz sicher nicht besser.

Tut mir Leid, Griechenland - aber es reicht.

Irgendwann muss man den krankesten Patienten vom Tropf nehmen und ihn in Würde verscheiden lassen - lieber ein Ende mit Schrecken als der nun drohende Schrecken ohne Ende.

In dem Sinne, einen schönen Tag noch...

Montag, 19. August 2013

Religionsterror

Diesmal muss ich dem heutigen Beitrag eine Warnung vorausschicken:

Hier können die religiösen Gefühle einiger mehr oder weniger heftig verletzt werden. Wer von meinen Lesern also weiter an einem mittelalterlich-mystisch verbrämten Weltbild festhalten möchte, sollte vielleicht auf die Lektüre dieses Beitrags verzichten, denn MEINE Meinung zu Religion im Allgemeinen und zu unserer Kirche im Besonderen ist zugebenermaßen sehr heftig.

Der Titel dieses Posts ist mit Bedacht gewählt, denn wenn man die Geschichte der letzten zwei Jahrtausende beleuchtet, ist die Verbreitung - auch und vor allem - der christlichen Religion mit Angst und Schrecken; Unterdrückung und Terror sowie Mord und Totschlag in nicht unbeträchtlichem Ausmaß behaftet.

Die Anfänge des Christentums versinken, wie ein jeder weiß im Dunkel der römischen Geschichte. Das Neue Testament als einziges Dokument hierzu wurde nachweislich von keinem Zeitzeugen, sondern erst viele Jahre nach den kolportierten Vorgängen nach unzähligen mündlichen Überlieferungen und sicher auch Ausschmückungen niedergeschrieben. Dabei wurden dann auch schon einmal bewusste Übersetzungsfehler eingebaut, die sich dem Volk einfach besser verkaufen ließen.

So wurde aus dem ursprünglichen Begriff "junge Frau" im Laufe der Überlieferung - sicher nicht ohne Absicht - eine "Jungfrau", denn die Schwangerschaft einer "Unbefleckten" ließ sich nun mal besser mystifizieren als das Ergebnis eines simplen vorehelichen Seitensprungs, der zudem noch den propagierten Moralvorstellungen widersprach.

Auch die historischen Hintergründe sind bis heute mehr als nur strittig. 

So gab es Pontius Pilatus tatsächlich und der soll auch ein ganz schöner Kotzbrocken gewesen sein - nur lebte zu seiner Amtszeit der in der Bibel ebenfalls in die Geschehnisse verstrickte König Herodes schon längere Zeit nicht mehr.

Auch gibt es nur eine geschichtlich relevante Erwähnung eines Jesus, von der Geschichtsforscher ausgehen, dass sie nicht wie einige wenige andere vorher, im Nachhinein dem christlichen Wunschbild entsprechend bereinigt wurden.
Der jüdische Falvius Josephus (ca. 37 - 100 n. Chr.) berichtet von einem Streit unter Pharisäern, bei dem "der Jakobus, Bruder des Jesus, der der Christus genannt wurde", von einem jüdischen Kirchengericht zum Tode verurteilt und gesteinigt wurde.

Als Nero dann wenige Jahre später den glorreichen Gedanken hatte, das Ewige Rom mal eben in einer Nacht und Nebelaktion bis auf die Grundmauern nieder zu brennen, fielen ihm hinterher als lohnenswerte Sündenböcke die Christen ein. Eine Sekte, die bis dato im römischen Reich durchaus toleriert wurde und sich durch ihren Missionseifer unbeliebt gemacht hatte. Das war dann der Startschuss zur bis 313 andauernden Christenverfolgung.

Nachdem diese mit dem Mailänder Edikt des Kaisers Konstantin (313) und spätestens 380 durch die Beförderung zur Staatsreligion unter Theodorius beendet wurde, konnte man sehr schnell feststellen, dass diese damals noch relativ kleine Sekte in den letzten Jahren ein Netzwerk ohne Gleichen aufgebaut hatte, das umgehend eingesetzt wurde, um die Umwelt nicht nur im geistlichen Sinne zu unterjochen. Die Zusammenraffung von weltlichen Ämtern und Reichtümern, die man denen abgenommen hatten, die sich nicht zum neuen, einzig wahren Gott bekehren ließen und deshalb leider totgeschlagen werden mussten, waren nur logische Schritte auf dem Weg zur angestrebten Weltherrschaft.

Auf diese Weise wurde die katholische Kirche zum bis heute weltweit größten Grundbesitzer.

Wer den Geschichten von gütigen Predigern des wahren Glaubens auch heute noch auf den Leim geht, tut mir dann ehrlich Leid. Man kann in den Geschichtsbüchern nachlesen, dass die weltweite Missionierung in fast allen Fällen nur mit brutaler Gewalt durchgesetzt wurde. Wehrte man sich gegen diese Eiferer und machte die in nicht wenigen Fällen - ganz im biblischen Sinne des "Auge um Auge - Zahn um Zahn"-Prinzips - einen Kopf kürzer, wurden diese dann zu Opfern und Märtyrern verklärt, zumeist heilig gesprochen und bis heute verehrt. 

Das mutet in meinen Augen manchmal so an, als würde man heute Atilla, den Hunnen, als großen Reformer verehren und heiligsprechen...

Den ersten geschichtlichen Beweis für die Machtgier des Klerus bekam 1076 der deutsche König Heinrich IV. zu spüren, der tatsächlich die Stirn besaß, sich im so genannten Investiturstreit mit Papst Gregor VII. anzulegen, der den König kurzerhand mit dem Bannfluch belegte.
Dies hatte zur Folge, dass die von der Kirche durch jahrhundertelange Indoktrination über Höllenfeuer und ewige Verdammnis völlig eingeschüchterte Bevölkerung und natürlich allen voran die Fürsten, dem gebannten König die Gefolgschaft aufzukündigen drohte.
In der Folge musste der arme Mann im Januar 1077 barfuß im Büßerhemdchen bei bitterer Kälte drei Tage lang vor dem italienischen Canossa im Schnee herumstehen und um die am vierten Tag gnädig erteilte Absolution des Papstes betteln.

Nach der Entdeckung Amerikas war es wieder die Kirche, die sich erdreistete, 1494 im Vertrag von Tordesilas die Welt nach ihrem Gutdünken - um zu Vermeiden, dass sich die damaligen Weltmächte Spanien und Portugal gegenseitig an den Hals gingen - in zwei Hemisphären aufteilten. Eine noch heute sichtbare - und hörbare - Folge dieser Aktion ist, dass in Südamerika westlich des 56. Längengrades Spanisch und östlich davon (Brasilien) Portugiesisch gesprochen wird.
Von den unmenschlichen habgierigen Aktionen der ins neue Land strömenden Eroberer ganz abgesehen. 
Zwar kamen die oberflächlich im Auftrag ihrer weltlichen Herrscher und die Missionare "nur" in deren Gefolge, aber spätestens seit Canossa weiß man ja, wer wirklich das Sagen bei solchen Unternehmungen hatte. 
Die Urbevölkerung Südamerikas wurde in Null Komma Nichts um fast Dreiviertel reduziert - durch die bekannten, du-willst-nicht-an-meinen-Gott-glauben,-dann-schlag-ich-dich-halt-tot-und-konfisziere-deine-Besitztümer-Methoden wie allerdings auch durch als besondere Morgengabe aus Europa eingeschleppte Seuchen.

In Europa ging es uns nicht besser.

Andersdenkende wurden auch hier zunächst um den Besitz gebracht. Mit fadenscheinigen Begründungen war es zur Hochzeit des Kirchenterrors jederzeit und ohne Mühe möglich seinen Nächsten der Obhut der Inquisition zu übergeben, die dann mittels Folter jedes ihnen genehme Geständnis aus jedermann herauspressten.
Als Frau musste man schon Angst haben, wenn man bei einem Abendspaziergang versehentlich von einem Mondstrahl getroffen wurde - das konnte schon dazu führen, dass die verbleibende Lebenszeit auf einem Scheiterhaufen drastisch verkürzt wurde. In beiden Fällen war Denunzianten ein weites Betätigungsfeld geöffnet worden.

Jahrhundertelang wurde das gemeine Volk bewusst dumm und arm gehalten. 
Lesen, Schreiben, Rechnen - das gab's nur für den Klerus und ausgewählte Adlige. Uns wurde mit Horrorgeschichten weisgemacht, dass uns nach der Hölle des hiesigen Lebens ein noch größeres Unheil nach dem Tode drohe, wenn wir nicht willfähige Sklaven der Priesterkaste wären und eifrig deren Reichtümer mehrten.
Ohne einen Martin Luther könnten wir wohl bis heute nicht Lesen und Schreiben. 
Wir würden weiterhin in ehrfürchtiger Demut unverständlichen Predigten in einer elitären, toten Sprache lauschen und bekämen Sonntags nach der vorgeschriebenen Kollekte einen Zettel - den wir selbstverständlich nicht lesen könnten - zur Abgabe in der Hölle, mit dem Vermerk, dass uns die Sünden vergeben seien. 

Blieb nur zu hoffen, dass wenigstens der Teufel lesen konnte...

Es mag ja zu biblischen Zeiten angegangen sein, dass ein Blitz, der in einen Dornbusch fuhr und daraufhin zu brennen begann als großes göttliches Wunder gelten mochte. Heute wissen wir, dass dies ein physikalischer und natürlicher Vorgang ist. 
Dennoch ist es erschreckend, dass es in einigen fundamentalistischen Bundesstaaten der USA bis heute verboten ist, an der Schule die Darwin'sche Evolutionstheorie zu lehren, da man lieber an dem Dogma der Genesis laut der biblischen Vorgabe festhalten will, obwohl auch da fast alles wissenschaftlich ad absurdum geführt wurde.

Traurig ist es auch in heutigen Tagen davon lesen zu müssen, dass zum Beispiel in Österreich die katholische Kirche die Kinder und Jugendlichen mittels eines Büchleins mit mittelalterlichen Moralansichten zur "Keuschheit" und den ursprünglichen christlichen Grundwerten zurückführen will.

Und zum Thema Keuschheit: Das ganze Elend haben die sich doch 325 auf dem Konzil von Nicäa selbst eingebrockt, indem sie beschlossen, dass Bischöfe, Priester und Diakone nicht mehr mit einer Frau unter einem Dach leben durften, die nicht ihre Mutter, Schwester oder Tante war. 
Die haben sich doch selbst ins sexuelle Abseits gestellt und sich dann darauf verlegt, dass ab und an während der täglichen Gebetsvorrichtungen ganz versehentlich mal der priesterliche Hannes im Mund eines Ministranten landete - oder noch Schlimmeres.

Oder allein die Tatsache, dass man sich heute - 2013!!!! - noch immer wegen religiöser Meinungsverschiedenheiten bis auf den Tod bekriegt?
Man, wir sind zum Mond geflogen; erforschen unser Sonnensystem und keiner der Astronauten da oben hat irgendwo in der unendlichen Weite des Weltalls einen Engel mit Flammenschwert gesehen...

Das Kondomverbot - auch in Ländern der Erde, wo Überbevölkerung und AIDS die Oberhand halten - ist die moderne Form der früher praktizierten Terrormethoden. Das ist schon von einem solchen Zynismus, dass man darüber nicht einmal mehr traurig lächeln kann.

Ich will das jetzt gar nicht weiter ausdehnen, denn wenn ich Ähnliches über den Koran von mir geben würde, fände morgen vor meiner Haustür der nächste Dschihad statt. Ich bin mir eh nicht sicher, ob nicht Überreste der Inquisition noch heute existieren. Aber von mir aus können die auch Torquemada persönlich ausgraben und wiederbeleben - meine Meinung über diese Menschen verachtenden Religionen ändere ich nicht.

Wenn es nach mir ginge, würden die ALLE verboten, sofern man das nicht für sich selbst im stillen Kämmerlein zu seinem Privatvergnügen praktiziert.

Aber mit der Meinung stehe ich wohl alleine da...

Freitag, 16. August 2013

Quatsch mit Sauce

Es gibt Meldungen, die lassen meinen Glauben an die Intelligenz meiner Mitmenschen immer mehr ins Schwanken geraten.

Ich hatte Elmar Hörigs gestrigen Post darüber, dass Sinti und Roma nunmehr Protest gegen die Bezeichnung "Zigeunersauce" einlegen, ja zunächst noch für einen seiner verqueren Aussetzer gehalten, die er leider des Öfteren bei facebook in Umlauf bringt und die oftmals leicht jenseits des guten Geschmacks sind.

Richtig entsetzt bin ich dann aber darüber, dass diese Meldung tatsächlich von Spiegel online stammt und es sich zwar um eine der üblichen Sommerlochfarcen zu handeln scheint, aber nichtsdestotrotz keine Fake-Meldung ist.

Also wirklich:

Jetzt ist aber langsam mal gut mit der gottverdammten und übertriebenen politcal correctness bei allen möglichen und unmöglichen Anlässen. Irgendwann muss ganz einfach mal Schluss sein:

Ja, die Sinti und Roma - im Volksmund schlichtweg als Zigeuner bezeichnet - hatten es im Dritten Reich ebenso wie Juden und andere Minderheiten wie Schwule und Lesben wirklich nicht leicht. Und ich möchte die Geschehnisse zu der Zeit auf gar keinen Fall auf die eine oder andere Weise schönreden.

Gott bewahre!

Aber ich bin der festen Überzeugung, dass mit diesen Wortklaubereien langsam aber sicher endlich mal Schluss sein muss.

Mittlerweile wird der Begriff "Negerlein" schon aus einem bekannten Kinderbuch gestrichen; Negerküsse durften schon vor einiger Zeit nicht mehr so oder Mohrenköpfe genannt werden, weil es könnte ja jemand daran Anstoß nehmen.

Was kommt denn dann als nächstes?

Alle die Jäger heißen oder diesem Berufsstand angehören verbieten sich das Servieren des diskriminierenden Jägerschnitzels?
Hunde und Katzen wie auch weibliche Schweine wehren sich - vertreten durch BUND und Grüne - gegen die Verwendung von Bezeichnungen wie "Katzenjammer", "Hundeelend" oder "saumäßig"?

Ich selbst fand es schon immer abwertend meiner Person gegenüber, dass es im Sauerland eine Supermarktkette mit dem ketzerischen Namen "Zum Bösen Wolf" gibt und erwäge natürlich auch eine Klage gegen die Verunglimpfung meiner Person - obwohl, ich sollte da auch vielleicht gleich posthum noch Jacob und Wilhelm Grimm für das schlechte Image des Wolfs im deutschen Märchengut verklagen.

Was machen dann Leute, die Fuchs oder Hase heißen?

Diese Wortklaubereien fuchsen mich gewaltig.

Darf eine Hasenscharte noch im Volksmund so genannt werden?
Menschen mit Nachnamen Vogel verbieten sich in Zukunft, eine zwischenmenschliche Interaktion mit einem ihrem Nachnamen nachempfunden Verb zu bezeichnen. Zum Glück kenne ich persönlich niemanden, dessen Familienname Bums lautet; Fick ist mir allerdings tatsächlich schon mal vorgekommen...

Eine Klage- und Verbotswelle unübersehbaren Ausmaßes rollt da auf uns zu. Und gerade heute hab ich noch gelesen, dass die deutsche Justiz an Burnout zugrunde zu gehen droht...

Ehrlich, ich will mich hier jetzt nicht allzu sehr ereifern, aber wenn man die historische Bedeutung des Wortes "Zigeuner" mal eruiert, dann muss ich - völlig vorurteilslos - feststellen, dass diese Bezeichnung von unseren Vorfahren im 11. / 12. Jahrhundert ganz sicher nicht ohne Grund gewählt wurde.

Die ursprünglich aus dem indischen Raum - und nicht wie im Volksmund kolportiert aus Ungarn - stammenden Sinti und Roma kamen auf ihrem Exodus zunächst im Mittelalter über Ägypten nach Europa und wurden zunächst auch als Ägypter bezeichnet. Durch ihr Verhalten anderen gegenüber wurde aber im Laufe der Zeit der Begriff "Zigeuner" verwendet, was nichts anderes heißt als "Ziehende Gauner".

Und jetzt dürft ihr alle mit dem Finger auf mich zeigen und mich von mir aus auch ein Arschloch nennen - aber das musste mal wieder gesagt werden....

Guten Morgen... ?

Zu meinem großen Entsetzen muss ich heute morgen feststellen, dass es anscheinend tatsächlich noch so Tage zu geben scheint, an denen man auch beim besten Willen nichts zu meckern findet.

Da sitze ich also hier und überlege, welches Thema mir heute so sehr im Magen liegt, dass ich in altbekannter, sauertöpfischer Wolf-Manier darüber mein Maul zerreißen könnte.

Elmar Hörig postet auf farcebook, die Sinti und Roma würden jetzt gegen den Namen Zigeunersauce klagen... Toll, wenn es weiter nichts gibt. 
Da wäre ein in China umgefallener Sack Reis ja schon eine wahre Sensation und Unruhen in Ägypten eignen sich auch nicht für einen Nörgler meiner Couleur.

Also -

Pustekuchen!

Beim Aufstehen kein Bein gebrochen, nicht einmal auf dem Weg ins Bad auf irgendetwas in Schleudern gekommen und selbst mein zerknittertes Antlitz im Spiegel lockte mir heute nicht einmal ein müdes Arschrunzeln hervor. 

Ich scheine mich im hohen Alter tatsächlich an mich Sack zu gewöhnen.

Wo soll das bloß enden?

Na ja, dachte ich mir.

Gehst du halt auf deinen ärztlich verschriebenen Morgenspaziergang - auf den fünf oder sechs Kilometern wird dir schon irgendwer oder was in die Quere kommen und deinen Blutdruck samt Adrenalinspiegel gehörig in Wallung bringen.

Es besteht ja die tägliche nicht geringe Hoffnung direkt vor der Haustür in einen riesigen Haufen Hundescheiße zu treten oder von einem militanten Radfahrer umgenietet zu werden...

Nichts!

Aber auch so was von Nichts!

Die Straßen sind sauber wie selten zuvor - als hätte in der Nacht die Straßenreinigung eine Extra-Schicht eingelegt, nur um mich am heutigen Morgen mit fehlender Hundescheiße in den galoppierenden Wahnsinn zu treiben...

Die Radfahrer sind auch alle verdächtig freundlich - klingeln sogar, wenn sie auf dem gemeinsam genutzen Weg an mir vorbei wollen, einer ist sogar so pervers und grüßt mich höflich...

Wie eklig kann ein Morgen denn noch beginnen?

Das Sommerloch scheint  mich voll erwischt zu haben.

Vielleicht bin ich sogar, ohne es zu bemerken kopfüber, hineingefallen...

Im Aldi blockiert nicht ein einziger einer der Mitarbeiter wie üblich beim Befüllen der Regale den Weg, ich finde alles, was ich suche - aber auch nichts fehlt.

Gott, jetzt bin ich wirklich langsam der Verzweiflung nahe.

Nachher zu Hause kann ich mich nur selbst anöden...

Was soll heute aus mir werden?

Friede, Freude, Eierkuchen?

Ganz mit mir im Reinen?

Ommmmmmmmmm!

Ist ja eklig!

Eigentlich sollte man direkt wieder ins Bett gehen und durchratzen bis morgen und inständig zu allen bekannten und unbekannten Göttern darum beten, dass morgen wieder alles normal ist - ich mich wenigstens wieder ein klitzekleines bisschen über irgendwas oder irgendjemand aufregen kann...

Na gut, verbringe ich halt zur Abwechslung mal einen schönen, meckerfreien Tag.

Ich werde es hoffentlich überleben...

In dem Sinne:

Schönen Tach auch!

Macht was draus...

Dienstag, 13. August 2013

Armes Deutschland

Ich weiß nicht, ob jemand dieses Bildchen lustig findet. 

In meinem tiefsten Inneren hoffe ich, dass dem nicht so ist - aber wie ich meine Mitdeutschen kenne, werden sich doch einige darüber amüsiert haben.

Dabei offenbart dieses Foto auch ohne Antiwerbung für unsere allgegenwärtige Regierungspartei eine mehr als traurige Wahrheit über die Vermögensverhältnisse in diesem unserem Lande. Wie auch schon in unserem großen "Vorbild" USA (weiß zwar nicht warum, aber alles, was die dämlichen Amis tun, wird hierzulande mit wachsender Begeisterung bejubelt und nachgeäfft) sind wir nicht mehr weit davon entfernt, dass sich die Balance zwischen Arm und Reich immer weiter zu Ungunsten der Normalbevölkerung nach unten verschiebt.

Die Kluft zwischen denen, die viel haben und denen, die gar nichts besitzen oder bekommen, wird immer größer. Die einst vorhandene Mittelschicht, also diejenigen, denen es nach dem Volksempfinden gut geht, ohne mit übermäßigem Reichtum geschlagen zu sein, wird mehr und mehr abgeschafft.

Dabei war das dereinst der Großteil unserer Bevölkerung!

Früher konnte man sich durch ehrliche Arbeit noch einen gewissen Lebensstandard erarbeiten - heute ist es eher so, dass jeder Tag, den man seinen Kadaver aus dem Bett hievt, zum Kampf um die nackte Existenz zu mutieren scheint.

Maßlose Spitzenmanager in Wirtschaft und Bankwesen schöpfen mit bitterer Leidensmiene Millionen ab - egal, ob sie Leistung dafür erbracht haben oder - im viel häufigeren Fall - grandios gescheitert sind. Irgendwie hab ich bei denen mehr und mehr das Gefühl, dass die sich schon gar nicht mehr anstrengen in ihrem Job, sondern nur noch von vorneherein ausrechnen, was für sie im günstigsten Fall - also dem Scheitern mit dem dazugehörenden Rauswurf samt millionenschwerer Abfindung - herausspringt. 

Sollte sich der "normale" Arbeitnehmer mal erdreisten, dafür, dass er in seinem Job permanent nur Scheiße baut, auch noch horrende Prämien zu verlangen.

Das Gelächter der Unternehmer höre ich bis in meinen Schlaf hinein.

Schon jetzt kann sich jeder vierte Alleinlebende und jede fünfte Familie nicht mal für eine Woche Urlaub im Jahr leisten, zumindest nicht, irgendwohin zu fahren.
Wohnraum wird immer teurer. 
Energieversorgung, sprich unseren täglichen Strom, entwickelt sich auch mehr und mehr zu einem Luxusgut. Wenn du um 9 Uhr einen Stromvertrag abschließt, kommt um 10 Uhr bereits die erste Erhöhung. 

Wie lange dauert es wohl, bis man nachts am flackernden Kerzenlicht in den Wohnungsfenstern zwischen Arm und Reich wird unterscheiden können?

Die Flaschensammler an den Mülltonnen sind zu einem nicht mehr wegzudenkenden Teil des normalen Alltagsbildes geworden. Während meiner täglichen Fahrten nach Köln im letzten halben Jahr, konnte man das sehr schön an jedem Bahnhof oder jeder Bushaltestelle beobachten. Es dauert keine zehn Minuten und schon steht wieder ein Mann oder eine Frau vor den Müllbehältnissen, um diese mit kritischem Blick zu untersuchen, in der Hoffnung, dass irgendsoein Wohlstandsmensch so wahnsinnig gewesen ist, eine Pfand- oder Einwegflasche einfach wegzuwerfen.

Es wird sicher nicht mehr lange dauern, bis man auch gezwungen ist, die Mülleimer nach Essensresten zu durchforsten. 

Bei diesen Vorstellungen graut es mir davor, jemals Rentner zu werden.


Das war wohl früher mal das Lebensziel eines jeden Arbeitnehmers. Nach einem harten Arbeitsleben den wohlverdienten Ruhestand geniessen und so - davon kann man heute nicht mal mehr träumen. Und wenn doch, bekommt man ob der düsteren Aussichten, nur die schlimmsten Albträume...

Eins ist sicher, auch unsere Politoberen beobachten diese Entwicklung sehr genau und irgendein findiger junger Profilant wird schon über der Idee brüten, dass es ja wohl ganz und gar nicht angehen kann, dass irgendso ein Armer oder Rentner - oder noch viel schlimmer ein ARMER RENTNER! - sich ein heimliches Nebeneinkommen durch Flaschenpfand erschleicht und dafür dem Fiskus nicht seinen gerechten Anteil zukommen lässt...

Würde mich nicht wundern, wenn demnächst in Städten und Gemeinden eine neue Behörde aufgebaut wird, die dies verhindert und die noch einzuführenden Abgaben auf nicht eingelöste und somit nicht nach dem Abfallkreislaufgesetz ordnungsmäß entsorgten und fremdeingelösten Pfand- und Einwegflaschen und Dosen eintreibt...

Oh, ich hoffe, ich hab da jetzt nicht jemand auf dumme Gedanken gebracht...

Donnerstag, 8. August 2013

Überall Schmarotzer

Ein schöner Morgen fängt vor allem mal damit an, dass man beim ersten Blick darauf, was es Neues und Weltbewegendes in der unendlichen Welt der facebook-Gemeinschaft gibt, über einen wiederholten sowohl total blödsinnigen, wie auch inhaltlich vollkommen falschen Post irgendeines Würstchens stolpert, dessen allgemeiner Lebensfrust mal wieder für Hetze auf die Ärmsten der Armen - sprich Empfänger von Hartz-IV-Leistungen .- herhalten muss.


Zitat: "Ohne Worte......aber leider traurige Wahrheit.
Natalie Kemeter
Vor ein paar Minuten im TV: 2 Hartz 4 Empfänger Heiraten und ziehen logischerweise in einer gemeinsamen Wohnung. Der eine Partner davon hat schon ein Kind.
So jetzt kommts:
Sie beziehen beide noch Hartz 4.....jeweils ca 350 EURO entspricht 700 € + 180 € Kin
dergeld + 300 Mutteschaftsgeld. Der Mann will nur ein Minijob ausüben und bekommt im Monat 150 €. Das sind ingesamt Netto am Monatsende 1330 €. Miete , Nebenkosten usw übernehmen ja wir Bürger die sich den Arsch aufreisen und Arbeiten gehn."

Zunächst einmal - abgesehen von der Hetze auf Empfänger von Sozialleistungen - ist die oben zitierte Rechnung, wenn auch mit Schätzzahlen, inhaltlich und sachlich FALSCH!

Kindergeld und Mutterschaftsgeld werden bei Hartz-IV-Empfängern wie Einkommen behandelt und von den gesetzlich verbrieften Leistungen abgezogen. 
Das Gleiche gilt ebenso für die Einkünfte aus Minijobs. 
Miete und Nebenkosten werden auch nicht, wie viele glauben, bis in astronomische Höhen erstattet. Hier gibt es ganz klare Regelsätze und wenn diese überschritten werden, muss man die Mehrkosten eben von seinem "normalen" Regelsatz begleichen, oder sich eine Wohnung nach den angebenen Parametern suchen.

Weiter in der Hetztirade:
 
Zitat: "So: Arbeitslohn von einem Verheirateten Mann mit Kind in Stuttgart...Mutter Hausfrau.
Nettolohn: 1900 €
Kindergeld 180 €
Insgesamt Netto 2080 €
Jetzt ziehen wir ab:
Miete: 700 €
Nebenkosten : 300 €
KFZ Kosten weil der Mann ja zur Arbeit fährt c.a 300€ durch Spritkosten, Verschleiß usw.
Bleiben unterm Strich 780 €..davon muss die Familie leben und natürlich eventuelle Vereine wie zb..schwimmen, turnen usw finanzieren.....Hartz 4 Empfänger bekommen dies natürlich von den Steuerzahler finanziert....das heisst, auch von dieser Familie die am Monatsende 600 € weniger am Monatsende hat trotz Arbeit im gegensatz zu den Hartz 4 Empfänger."




Der Familie in dem glänzenden Beispiel würde ich als allererstes empfehlen sich eine kostengünstigere Wohnung zu suchen. 700 Euro Miete und 300 Euro Nebenkosten lassen vermuten, dass derjenige auf zu großem Fuss lebt - Hier sind Ensparungen von 200 Euro an der Grundmiete und bis zu 150 Euro bei den Nebenkosten durchaus möglich, ohne deshalb im "letzten Loch" leben zu müssen.

Ebenso falsch ist die Behauptung, dass sämtliche kulturellen Aktivitäten von Hartz-IV-Empfängern mittels Zuschüssen bezahlt werden. Dies gilt zum einen nur für deren Kinder und auch nur in begrenztem Umfang, um die Teilnahme an solchen Aktivitäten vielen überhaupt erst zu ermöglichen.


Zitat: "Jetzt zu euch Liebe Arbeitskollegen die Morgens um 2.30 Uhr in der Früh zur Arbeit Fahren um die Familie zu ernähren, aber natürlich auch alle andere Beschäftigte, die total gestresst sind, Schlafstörungen haben, Essstörungen usw , trotzdem arbeiten gehen Steuern zahlen, die Kinder kaum aufwachsen sehn und eventuell die Rente nicht erreichen oder erkrankt erreichen.

Was haltet ihr davon...postet das weiter, so dass das alle sehn.....
Einfach unter aller Sau...echt traurig"


Echt traurig ist hierbei nur, wenn sich immer wieder Menschen finden, die so einen beleidigenden Blödsinn auch noch teilen und weiterverbreiten, in dem Glauben, damit etwas Gutes zu tun. Sie offenbaren damit aber nur ihren eingeschränkten Horizont und den Mangel an Toleranz gegenüber Menschen, die nicht auf der Sonnenseite dieses beschissenen Lebens stehen.

Wenn mir der Weg zur Arbeit zu weit ist, suche ich mir eine Wohnung in der Nähe des Arbeitsortes. In Härtefällen, wenn die Familie den Umzug aus welchen Gründen auch immer nicht stemmen will, gibt es die Möglichkeitkeit für einen gewissen Zeitraum einen Zweitwohnsitz steuerlich abzusetzen.

Dieser hirnlose Post impliziert, dass alle Empfänger von staatlichen Transferleistungen - wie es im Wirtschaftdeutsch so schön heisst - geldgeile Schmarotzer sind, die sich absichtlich und mit wachsender Begeisterung in diese Lage gebracht haben.

Nach mehr als 2 Jahren Empfang solcher Gelder kann ich Euch versichern, dass mein Lebensziel ganz sicher ein anderes war. 
Die soziale Ächtung - auch in den sogenannten sozialen Netzwerken - ist nur eins der Dinge, die einem dieses Leben echt versauen können. Hinzu kommt dann die eigene Unzufriedenheit mit seinem Zustand. 
Im konkreten Fall des Verfassers hat es zum Bruch der Ehe geführt, weil meine Frau auch glaubte, ich fände es total toll den ganzen Tag zu Hause herumzuhängen, kein Geld in der Tasche für gar nichts zu haben und den ganzen Tag ein Buch nach dem anderen zu lesen - aber immerhin: andere versaufen ihre Sozialleistungen...
Hinzu kommen amtliche Gängelungen wie monatliche Meldepflicht, halbjährliche Entblößung bei Antragsverlängerung und Kontrolle der prallgefüllten Konten...

Die wahren Sozialschmarotzer sitzen ganz wo anders:

In den Zeitarbeitsfirmen, wo Arbeitnehmer mit Sklavenlöhnen in lebenslange Armut und die Fänge der Hartz-IV-Leistungen getrieben werden.

Seht euch mal unsere Politiker im Bundestag an.  
Schon mal eine Bundestagsdebatte im Fernsehen verfolgt und dabei auch gedacht, dass in den Zuschauerrängen unter der Glaskuppel mehr Betrieb herrscht als im Plenum?

Da sollen eigentlich unsere Abgeordneten sitzen, die von uns gewählt wurden, dafür sogar nicht einmal sooo kleine Diäten bekommen und nach zwei durchgestandenen Legislaturperioden sogar noch einen Rentenanspruch hierauf haben.

Das sind die wahren Sozialschmarotzer unseres Landes - lassen sich für etwas bezahlen, ohne dafür irgendeine greifbare Leistung zu erbringen und sind dazu noch so dreist nicht einmal wie jeder normale Arbeitnehmer wenigstens am Ort ihres Wirkens anwesend zu sein...

Oder die gierigen Arbeitgeber, die sich Subventionen und Vergünstigungen vom Staat erschleichen, ohne dafür irgendetwas an die Allgemeinheit zurückzugeben!

Nehmt nur das Beispiel, dass sich große Firmen erdreisten, zu fordern von der Abgabe auf die Stromkosten befreit zu werden, die jeder zahlen muss, um die - berechtigte - Energiewende endlich mal auf den Weg zu bringen. 

Da wird gedroht, wenn man als Unternehmer die hohen Zusatzbeiträge bezahlen müsse, könne man keine Arbeitnehmer mehr einstellen - oder Arbeitsplätze würden ganz wegfallen.

Aber Hallo! 

Frau Merkel und wie sie alle heissen mögen, die sich da tagtäglich über den Tisch ziehen lassen. 

Die Unternehmen stellen doch niemanden mehr ein!

Guckt doch mal in die Jobbörsen - von 200 Stellenangeboten zu meinem Beruf sind 187 (!) nur Sklavenjobs bei Zeitarbeitsfirmen - also der Weg in Armut und lebenslange Abhängigkeit von staatlichen Hilfen vorgezeichnet.

DAS sind die wahren Sozialschmarotzer in unserem Land!

Nicht die armen Schweine, die Leistungen vom Staat erhalten. Obwohl ich zugebe, dass es da - wie überall sonst auch - wieder einige schwarze Schafe geben wird.

Und wenn die schwarzen Schafe in unserem eigenen Land nicht genug sind, dann holt die Regierung halt aus Rumänien noch ein paar Tausend nicht arbeitswillige aber dafür kinderreiche Zigeuner ins Land, die ohne jemals etwas in unseren Steuertopf eingezahlt zu haben, mit vollen Händen hineingreifen und sich im Land wähnen, in dem Milch und Honig fliesst...

Lasst also endlich uns Hartz-IV-Empfänger in unserem eigenen Elend in Ruhe und rettet meinetwegen den armen gequälten Nachbarhund oder die vom Vaterschänder nebenan vergwaltigte Hauskatze!

So, das musste jetzt mal sein....