Dienstag, 24. Dezember 2013

Weihnachten mit Familie



Der Wunsch, endlich richtigen Schnee zu sehen, wurde Wee in ihrem Ankunftsjahr 2004 tatsächlich sehr früh erfüllt. Bereits zu ihrem ersten Martinssingen Anfang November lag richtig viel Schnee, hüllte Leverkusen in sein weißes Kleid und die Kleine hatte tagelang ihren Spaß daran, in dem weißen Zeug herumzutollen und später klitschnass nach Hause zu kommen.


Auch bei mir stellte sich erstmals seit langen Jahren wieder so etwas wie ein weihnachtliches Gefühl ein.


Das letzte Mal, dass mir an Weihnachten etwas richtig Spaß gemacht hatte, muss so zu Beginn der 80er Jahre gewesen sein, wenn sich die ganze Clique nach der elterlichen Bescherung traf, um zu Fuß nach Altenberg in den Dom zur Mitternachtsmesse zu wandern.


Das war immer eine feucht-fröhliche Angelegenheit und keiner von uns ging aus Glaubensgründen dahin. Unvergessen sind mir Momente, wie im Schweigen der Predigt plötzlich mit Donnergetöse eine leere Whiskeyflasche dem Pfarrer vor die Füße rollte oder auch jener, als Detlef Tschanz demselben Pfarrer, der am Ende der Messe am Ausgang seine Schäfchen verabschiedete, kräftig vor die Füße kotzte…


Na ja, damals waren wir wohl mehr Weihnachtsanarchisten aber zumindest hatten wir einige Jahre lang einen Heidenspaß daran…


Doch in jenem Jahr 2004 war dann  plötzlich alles ganz anders: 

Im Juli war Narissara, genannt Wee, die Tochter meiner Frau Atchara aus Thailand zu uns gekommen und Mei war natürlich ganz wild darauf, deutsche Weihnachten zu feiern.


Dazu gehörte dann auch, dass sie mit mir zum nächsten Postamt stapfte, um einen in noch ungelenkem Deutsch verfassten Brief an das Christkind – wohnhaft in Engelskirchen – zu versenden. Schade nur, dass der Post nichts anderes zu dieser jährlichen Aktion einfällt, als den Kindern mit einem dümmlichen, schlecht verhüllten Werbebrief zu antworten.


In der Nacht zu Nikolaus wurden artig die Stiefel geputzt und vor der Kinderzimmertür aufgestellt. Wee wusste noch gar nicht, was das alles eigentlich sollte, umso größer war die Freude, als sie diese am nächsten Morgen mit Süßigkeiten gefüllt vorfand.


„Guck mal, Mama – Geschenke!“ erklang ihr erfreuter Ausruf.


Ich selbst hatte erstmals meinen Spaß daran in zahlreichen Spielwarengeschäften nach Geschenken für die kleine Prinzessin zu stöbern und zu meinem eigenen Erstaunen hatte ich sogar den mir angeborenen „Geizmodus“ ausgeschaltet, so dass dann am 24. Dezember unter dem Weihnachtsbaum so viele Päckchen lagen, wie bei mir an allen Weihnachtsfesten zusammen nicht.


Gemeinsam mit Onkel Georg und Tante Lee gestalteten wir unser erstes Familienweihnachtsfest.


Wee harrte den ganzen Nachmittag artig in ihrem Zimmer der Dinge, die sie abends erwarten sollten und ab und an, wenn ich einen Blick in ihr Zimmer warf, ertappte ich sie dabei, wie sie angestrengt aus dem Fenster in den leise fallenden Schnee lugte und tatsächlich nach dem Weihnachtsmann Ausschau hielt.


„Papa, kommt der Weihnachtsmann wirklich heute?“ fragte sie mehrmals.


„Na klar“, lautete meine Antwort. 

Sechsjährige Mädchen aus Thailand würden mir diese Lüge schon verzeihen.


Nach einem schönen, thailändischen Weihnachtsmahl war es dann soweit, dass ein Glöckchen – stillos von einer CD eingespielt – Wee ins Wohnzimmer unter den festlichen Tannenbaum rief, wo sich neben einem Schlitten (Schlittenfahren stand schließlich auch noch auf der großen Wunschliste meiner Tochter) zahlreiche von Atchara liebevoll verpackte Geschenkpakete stapelten.


Unvergessen der Glanz in Wees Augen, als sie das Wohnzimmer betrat und dann nicht richtig wusste, was sie denn nun zuerst auspacken solle. Bald schon saß sie in einem Berg von zerrissenem Geschenkpapier und strahlte beinahe heller als die Lichter am Baum.


Das war ein schöner Anblick, bis heute unvergessen, weil ich schon damals wusste, der Zauber der ersten Weihnacht wird sich nicht wiederholen.


Am Ende der Auspackorgie stand Wee vor ihren zahlreichen Geschenken, musterte sie mit dankbarem, aber kritischen Blick, ließ den Blick dann über Tante Lee, Onkel Georg, Atchara und mich schweifen und stemmte dann die Arme in die Hüften und sah mich mit leichtem Vorwurf an.


„Also Papa, das mit dem Christkind war wohl doch nicht wahr…“


„Wie denn jetzt? Bist du nicht zufrieden mit deinen Geschenken?“ Ich war leicht verdutzt und wusste nicht, worauf Wee hinauswollte.

„Doch, doch! Aber ich hab mir das alles genau angeguckt.“ Sie zeigte auf ihre Geschenke. „Aber das sind doch alles Sachen, die Tante Lee, Onkel Georg, Mama und du gekauft haben…“


Da sagte ich dann nichts mehr – aber mir dämmerte, dass man der Kleinen auch künftig nur sehr schwer ein X für ein U vormachen könne…


Das schöne weihnachtliche Flair des ersten Mals verflüchtigte sich, wie schon vermutet, im nächsten Jahr. 
Da ging Wee die ganze Sache schon viel geschäftsmäßiger an. Frühzeitig lag mir der Wunschzettel vor und eines Morgens beim Frühstück, so 14 Tage vor dem großen Ereignis, hatte sie noch einen weiteren Wunsch auf Lager.


„Papa, ich hab doch so viele Barbies…“ wagte sie ihren Vorstoß.

„Jo“, konnte ich nur zustimmen. „Sind das etwa noch nicht genug?“

„Doch, Papa. Aber die haben kein Zuhause.“


Ich werde wohl nicht sehr intelligent geguckt haben und bevor ich irgendetwas antworten konnte, legte Wee nach:

„Im Kaufhof gibt es ein großes Barbie-Puppenhaus“, setzte sie an und ließ mir gar nicht erst die Chance auf einen Protest. „Das ist zum halben Preis…“


So klein, aber schon geschickt mit einem riesengroßen Zaunpfahl winken!


Listig hatte die kleine Kröte genau den richtigen Nerv getroffen – Zum halben Preis! 

Drei magische Worte, die selbst in mir eine Saite klingen ließen. Aber ich ließ diesen Wunsch zunächst einmal offen.


Der Tag der Bescherung kam und nachdem Narissara mich noch mehrmals – eigentlich täglich – auf die vergünstigte Kaufmöglichkeit hingewiesen hatte, war ihr suchender Blick natürlich fast ausschließlich auf dieses spezielle Geschenk fokussiert – das sich aber nicht unter dem Baum befand.


Mit einer gewissen Häme registrierte ich ihre leichte Enttäuschung, obwohl sie beim Auspacken der Geschenke wieder strahlte wie im Vorjahr.


Papa“, kam zögerlich die Frage. „Mein Haus…“

„Alles, was es an Geschenken gibt, lag unter dem Baum, Wee…“


Innerlich lachte ich mich kaputt über ihren Blick.


„Vielleicht solltest du jetzt mal alles zusammenpacken und in deinem Zimmer etwas spielen gehen.“ Schlug ich vor.


Geknickt, begann sie ihre Sachen zusammen zu raffen und trottete hinüber in ihr Zimmer, aus dem nur kurz darauf der glückliche Aufschrei „Da ist ja mein Haus!“ ertönte…


Ich hatte mir nicht verkneifen können, das zwar gekaufte Geschenk, separat mitten in ihr Zimmer zu stellen, als sie im Wohnzimmer mit ihrer Auspackorgie beschäftigt war…


Ich wünsche Euch allen ein beschauliches, möglichst stressfreies Weihnachtsfest im Kreise eurer Lieben und hoffe, dass in Euren Häusern in diesen Tagen viel Freude herrscht und die Kinder Grund zum Strahlen haben.


Frohe Weihnachten!



Sonntag, 22. Dezember 2013

Mein persönliches Jahr 2013



Es ist wieder soweit.

Wenn man in diesen Tagen den Fehler macht, den Fernseher einzuschalten wird man wieder totgedudelt mit zahlreichen Bildern des Jahres oder Menschen des Jahres. Sendungen, in denen das zu Ende gehende Jahr reflektiert werden sollen – die aber meistens zu mehr oder weniger dümmlichen Huldigungen der hirnrissigen Taten diverser X- oder Y-Promis verkommen…

Nun denn:

Ich zähle mich nicht zu den X- oder Y-Promis (so vermessen bin ich nun doch nicht…), aber dennoch erdreiste ich mich hier und jetzt einfach mal dazu, meine Reflexion des Jahres 2013 zu verbreiten.

Im persönlichen Bereich hat sich – wie eigentlich immer - nicht viel getan: 
Die meisten meiner Bekannten, Familienmitglieder und auch ich sind wieder mal ein Jahr älter – aber leider nicht weiser – geworden.

Der erhoffte Lottogewinn – es muss ja nicht direkt ein Jackpot mit etlichen Fantastillionen sein – blieb natürlich auch aus. Ich kann mich des Verdachts nicht erwahren, dass Fortuna, die allerorts verehrte Glücksgöttin, sich nicht zu meinen Freunden zählt. Vielmehr läuft sie andauernd mit Todesverachtung bei der Gewinnvergabe an mir vorbei und ich meine, sie hätte mir auch schon so zwei-, dreimal unverhohlen ins Gesicht gespuckt.

Na ja – Schwamm drüber, Hauptsache wir sind gesund…

Ein halbes Jahr lang habe ich von Februar bis August die Schulbank in einem Institut gedrückt, wo mir ein Fachbuch (Logistische Prozesse) in die Hand gedrückt und ein XP-basierter PC überantwortet wurde – und dann saß ich da.  

Von den im Bewerbungsgespräch versprochenen Unterrichtseinheiten fand in den ersten zwei Monaten keine einzige statt und erst, als ich vor dem Institutsleiter laut wurde und mehr oder weniger mit der Faust auf den Tisch schlug, kamen dann wöchentliche Workshops zu Stande.

Gelobt sei in diesem Zusammenhang meine breite Berufserfahrung, die es mir ermöglichte, mir das meiste theoretische Wissen für die im November dann tatsächlich bestandene Facharbeiterprüfung vor der Kölner IHK durch Lesen einiger Fachbücher selbst anzueignen.

Eine kleine Heldin meines persönlichen Umfelds war meine 15jährige Tochter Mei, die in den Sommerferien alleine zu ihren Großeltern nach Sukhothai in Thailand flog und dort gleich am 3. Tag  als Beifahrerin mit dem Motorroller einer Cousine verunglückte. 

Nach einem Riesenschrecken, der mir hier gute 10.000 Kilometer entfernt vom Unfallort zunächst in die Glieder fuhr kam schnell die Erkenntnis „Mei ist fit, die schafft das.“ Immerhin waren ja noch die Großeltern und eine Tante vor Ort.

Was gab es 2013 in der großen, weiten Welt?

Abgesehen davon dass sich wieder einmal zahlreiche sogenannte Promis ungeniert öffentlich zum Affen machten und man sich als durchschnittintelligenter Normalbürger schon mal des Öfteren die wohl nicht unberechtigte Frage stellen musste „Wieso laufen diese Vollspacken eigentlich noch frei herum?“

So eine schöne „Hab-mich-Lieb-Jacke“ würde da so Manchem äußerst gut zu Gesichte stehen.

Haben wir uns dieses Jahr nicht schon genug über unsere (alte) eierlose Bundesregierung aufgeregt? 

Auch hier wieder Hirnis in allen Positionen, zu allen Orten und bei allen möglichen Gelegenheiten immer wieder gerne bereit, auch ins noch so sorgfältig versteckte Fettnäpfchen zu treten.

Einer meiner persönlichen – na ja „Helden“ wäre wohl zu hoch gegriffen – Favoriten des vergangenen Jahren war Edward Snowden, der mit seinen Enthüllungen zwar eigentlich nichts Neues offenbarte – aber er hat es geschafft, dass sich auch plötzlich der kleinste Internet- oder Smartphone-User nicht mehr gar so sicher sein kann, ob das, was er auf facebook postet oder im vollbesetzten Linienbus an intimen Geheimnissen lautstark ins Mikrofon textet auch wirklich und wahrhaftig „nur unter uns“ bleibt, oder einem bei seiner nächsten Auslandsreise nicht von fremden Behörden genüsslich aufs Brot geschmiert wird.

Der Vollspacken des Jahres war in meinen Augen – ihr ahnt es sicher schon, bei meiner Begeisterung für den Katholizismus – natürlich dieser Limburger Bischof Van-weiß-Gar-Nicht-Mehr-Wie-der-Nun-Richtig-Heißt, der dem dummen Volk der Gläubigen noch einmal eindrucksvoll demonstrierte, dass mittelalterliches Feudalherrentum auch nach zweitausend Jahren noch durchaus praktikabel ist.

Der mit Unterstützung seines Dienstherren – der, der in den Schuhen des Fischers wandelt (kleines Rätsel am Rande…) – zunächst aus der öffentlichen Schusslinie genommen wurde und demnächst wohl irgendwo in Schwarzafrika darauf angesetzt wird, die Gläubigen auszunehmen…

Gewählt wurde ja auch noch in diesem schicksalsträchtigen Jahr.

Die, die tatsächlich zur Wahlurne gingen, mussten dann feststellen, dass es nicht einmal eine Wahl zwischen Pest oder Cholera gab – viele der aufgestellten Parteien und Kandidaten dürften bei mir zuhause während einer Urlaubsreise nicht einmal meine Goldfische hüten – und das Ergebnis war dann auch unter aller Sau: 

Ein, ja was denn eigentlich?

So richtig gewonnen hatte keiner und als Verlierer fühlte sich nur die FDP, die den schon lange fälligen Tritt in den verlängerten Rücken erhielt und sich mindestens für die nächsten vier Jahre mit der Eselsmütze in die Ecke stellen muss – und dann kam der absolute Hammer:

Der Stein der Weisen;

Der Weisheit letzter Schluss – die – sogar als Wort des Jahres geehrte – GroKo, die Große Koalition der Farb- und Eierlosen, die in den nächsten Jahren durch ihre erdrückende parlamentarische Mehrheit (die entgegen dem allgemeinen Jubel in der Bevölkerung nicht Bejubelnswert ist) noch für manchen Zornes- und Tränenausbruch beim Wahlvolk sorgen wird.

Aber wie ich immer zu sagen pflege – das Volk bekommt die Regierung, die es verdient… oder wählt… oder durch Machtkorrumpierung aufgebrummt bekommt…

Aber auch im Kleinen gab’s Stunk en masse:

In meinem Heimatort denken einige Bürger, dass man eine Straße, die nach einem bekennenden Nazi- und Genozid Befürworter benannt wurde, der „nebenbei“ auch noch niedliche Heimatgedichte verfasste, schleunigst umbenennen müsse und setzte einen Prozess in Gang, bei dem dann sogar ein Gutachter herangezogen wurde, der die Werke las und zu dem Ergebnis kam „Ja, dieser Mann war ein bekennender Brauner!“.

Das hat natürlich wieder einiges gekostet und da stellt sich die Frage, konnte das nicht jeder selbst durch Nachlesen der bekannten Werke feststellen?

Ach ja und die Kosten, die veranlassen jetzt angeblich eine andere Bürgerfraktion dazu, gegen den Beschluss der Umbenennung Sturm zu laufen, schließlich muss man ja nunmehr seinen A…. Tschuldigung, Hintern oder Popo zwecks Änderung der Adresse bewegen. Und weil Protest nun mal so wunderherrlich und gerade auch voll im Trend ist, findet dieser Protest dann auch gleich wieder Unterstützung von … ja, von wem denn nun eigentlich?

Jedenfalls sind es ganz plötzlich mehr, als Anwohner in der mit dem Makel behafteten Straße wohnen.

Aber lassen wir die Politik für dieses Jahr endlich außen vor und gedenken wir exemplarisch einigen der Menschen, die in diesem Jahr von uns gegangen sind:

Lou Reed, der grandiose Mitbegründet der legendären „Velvet Underground“, der so geniale Stücke wie „Walk on the wild side“ hinterlässt.

Oder der Übervater des bundesdeutschen politischen Kabaretts – Dieter Hildebrandt, der nach dem Krieg die „Münchner Lach- und Schiessgesellschaft“ mit ins Leben rief und mit seinen treffenden und bitterbösen Kommentaren so manchen Politiker in unserem Lande aufs Korn nahm.

Und dann natürlich Nelson Mandela, der Südafrika letztendlich von der Geißel der Apartheit befreite und eine nicht unbeträchtliche Lücke auf dem Schwarzen Kontinent hinterlässt…

Das war natürlich jetzt nur ein klitzekleines Schlaglicht auf mein persönliches Jahr 2013 – jeder für sich kann das auf seine Art ergänzen, so er denn will.

Ich wünsche einen besinnlichen 4. Advent.